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Am kommenden Wochenende bin ich mal wieder in Hannover – aber diesmal aus einem ganz speziellen Anlaß: Die CHAOSTAGE jähren sich zum 30. Mal, was ein guter Anlaß ist, sich den deutschen Straßenpank wieder aus der Nähe anzuschauen! Zumal es Anlaß zu der Vermutung gibt, daß dieses Jahr mehr Chaos-Touristen in Hannover aufkreuzen werden als üblich. Mit im Schlepptau ist ein Fotograf, dessen Bilder der ’83er-Chaostage mittlerweile regelrechte Punk-Ikonen geworden sind.

Es war irgend zu Beginn der als „Wende“ in der Beziehung zwischen Punks und Skins postulierten Chaostage von 1983 (aus der „Wende“ wurde nix, aber das ist eine andere Geschichte …), als mir ein Fotograf auffiel, der ein wenig ratlos in der Gegend herumstand. Klare Sache: Punks in freier Wildbahn fotografieren, das ist keine einfache Sache – kann auch schon mal nach hinten losgehen!

Ich sprach ihn an, erfuhr, daß er für den SPIEGEL unterwegs war, was bei mir gleich sämtliche Promo-Lichter angehen ließ … schließlich sollte es ja im nächsten Jahr mit Chaostagen weitergehen! Da kam eine schöne, bebilderte SPIEGEL-Story gerade recht.

Wir machten einen Deal: Ich würde ihn eine Weile begleiten und so dafür sorgen, daß er einen gewissen Vertrauensvorschuß bekam, und zum Ausgleich sollte er mir einen Stapel Bilder für mein Fanzine schicken.

So geschah’s, und eine Woche später erschien tatsächlich im SPIEGEL eine bemerkenswerte Geschichte, versehen mit Dirk Eisermanns Bildern. So hieß der Fotograf, der mir dann auch eine Weile später die versprochenen Bilder schickte. Eigentlich hatte ich nicht wirklich darauf gesetzt, daß da was kommen würde – im besten Falle eine Handvoll kleinformatiger Bildchen für einen Artikel in meinem Fanzine HACKFLEISCH – aber der Umschlag, der schließlich meinen Briefkasten verstopfte, war ein echter Hammer: Schlanke 49 großformatige Bilder waren drin! Meine Pläne explodierten in größenwahnsinnige Dimensionen: Die Dinger reichten gar für eine großformatige SONDERAUSGABE, nur zu den Chaostagen!

Damit da was draus wurde, verpflichtete ich diverse andere Punk-Schreiber zur Mitarbeit – allen voran Ute Wieners, die mit POGOGIRL ein eigenes Fanzine herausgab, weshalb aus dem Ganzen dann eben eine POGOGIRL-HACKFLEISCH-Sonderausgabe wurde.

Das Heft verkaufte sich wie geschnitten‘ Brot – die Startauflage von 500 Heften war im Nu weg, so daß wir 500 nachdrucken mußten. Wie gut, daß wir mit Luk List einen Drucker hatten, der uns sehr wohlgesonnen war und das ganze auf Pump machte!

Über die Jahre entwickelten sich Dirks Bilder zu regelrechten Punk-Ikonen – es wurde natürlich fleißig aus dem Heft kopiert und geklaut, und auch mein eigenes Verhältnis zum Copyright war schon immer etwas … hmm … sagen wir mal: entspannt! Wer immer die Bilder brauchte, bekam Scans davon, und so tauchten viele auf Plattencovern, Plakaten und Büchern auf.

Als ich vor einigen Jahren begann, meine Punk-Fotos ins Netz zu stellen und sich das Projekt später zum öffentlichen Punk-Fotoarchiv PUNKFOTO auszuweitete, nahm ich doch lieber mal Kontakt zu Dirk Eisermann auf, der mir die Genehmigung auch prompt erteilte.

Da er hier in Hamburg ganz in der Nähe wohnt, kamen wir irgendwann auf die Idee, nach über 25 Jahren mal wieder persönlich aufeinanderzutreffen, und daraus entwickelte sich ein lockerer, unregelmäßiger Kontakt.

Am kommenden Wochenende werden wir wieder zusammen in Hannover unterwegs sein. Zum 30.Mal jähren sich die Chaostage, und es scheint so, daß dieses Mal mehr Punks nach Hannover kommen als in früheren Jahren. Indizien dafür gibt es einige, u.a. eine Facebook-Gruppe mit knapp 1000 Mitgliedern. Was immer das auch heißen mag.

Nein, ich glaube nicht, daß es so groß wird wie die legendären Treffen der 80er und 90er, aber es wird reichen, um sich ein Bild vom Straßenpunk 2012 zu machen. Außerdem bin ich neugierig.

Als ganz spezielles Gewürz kommt hinzu, daß für Samstagabend eine NaziDemo angekündigt ist. Das dürfte allgemein die Gemüter hochkochen lassen und zusätzliches Chaos nach Hannover ziehen. Auf allen Seiten.

Zumal die zu erwartende Gegendemo automatisch zum legalen Aufenthaltsort der Punks mutiert, falls sich die Hannoveraner Polizei nach Jahren der Ruhe sicherheitshalber für eine „Wir halten unsere Stadt sauber“-Strategie entscheiden sollte …

Dieser Beitrag wurde möglich gemacht durch ... DICH? Wenn Du ein anbetungswürdiger PUNK-GOTT werden willst, solltest Du Dir DAS HIER mal anschauen!

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